Warum dir meine Foto Einstellungen nichts bringen | Die Wahrheit über Kameraeinstellungen
Fast jedes mal, wenn ich einen meiner Fotowalks auf Youtube poste, bekomme ich Fragen zu meinen Metadaten. Welche Blende war eingestellt, welche Verschlusszeit habe ich genutzt, wie ist die ISO gesetzt?
Ich verstehe diese Fragen. Ich hatte sie früher selbst. Aber ich glaube nicht, dass meine Foto-Einstellungen dir irgendetwas bringen.
Hier schauen wir uns an, warum das so ist.
Warum wollen wir die Kameraeinstellungen von anderen Fotografen kennen?
Ich kenne das total, das Interesse daran, die Kameraeinstellungen anderer Fotografen zu kennen. Es sieht so aus, als würde die richtige Verschlusszeit oder Blende allein schon die Qualität des Fotos ausmachen.
Da denkt man sich: Wenn ich dieselbe Einstellung nehme, werden meine Bilder genauso gut. Das hat mir früher im Kopf herumgespukt.
Ich habe geglaubt, ich müsste nur wissen, welche Blende, ISO oder Verschlusszeit jemand genutzt hat, und schon kann ich das eins zu eins übernehmen.
Die Idee dahinter ist einfach und klar: Wenn ich weiß, dass ein Bild mit ISO 100 oder Blende f/4 aufgenommen wurde, kann ich das genauso einstellen und bekomme am Ende ein ähnliches Foto. Klingt logisch, oder?
Es ist auch total menschlich, dieses Bedürfnis, die Tricks der anderen zu kennen. Man denkt, das spart einem den Lernprozess und die Experimente. Und vor allem die Fehlschläge.
Von daher hat es mich auch immer geärgert, wenn Fotografen nicht die Metadaten zu einem Foto angegeben haben. Wie soll ich mir so denn etwas abschauen?
Inzwischen teile ich meine genauen Kameraeinstellungen aber auch nicht mehr. Wie mein Kamerasetup generell aussieht, das habe ich bereits schon mehrfach gezeigt und darum soll es auch gar nicht gehen.
Das kann man sich gerne abschauen und kopieren und hoffentlich bringt es dir auch etwas:
Ich will daher noch einmal deutlich sagen - Wir müssen zwischen Kameraeinstellungen und den spezifischen Metadaten eines einzelnen Fotos unterscheiden.
Wie jemand seine Technik nutzt kann durchaus spannende Tipps & Tricks enthalten. Das habe ich auch in meinem oben verlinkten Video versucht so herauszuarbeiten, dass du mein “Warum” zu dein einzelnen Settings verstehst.
Aber für jedes spezielles Foto teile ich meine genauen Einstellungen nicht mehr. Warum eigentlich nicht? Weil ich mit inzwischen deutlich mehr Erfahrung nicht mehr glaube, das es irgendjemandem etwas bringt…
Warum dir meine Fotografie Einstellungen nichts bringen
Meine Einstellungen helfen dir in den meisten Fällen nicht weiter, weil Fotografie immer vom gesamten Umfeld abhängt – von Licht, Wetter, deinem Stil, dem Motiv und wie du die Szene siehst.
Eine bestimmte Verschlusszeit, ISO oder Blende, die ich wähle, passt genau zu den Lichtverhältnissen, in denen ich gerade stehe.
Nehme ich zum Beispiel ein Bild bei hellem Sonnenschein auf, dann brauche ich eine viel kürzere Verschlusszeit, etwa 1/4000 Sekunde, damit das Bild nicht überbelichtet wird.
An einem bewölkten Tag hingegen könnte ich mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sekunde arbeiten. An der finalen Bildwirkung macht keine der beiden Einstellungen einen signifikanten Unterschied.
Oder anders gesagt: Es gibt keinen kreativen Grund für diese Einstellungen. Es ist schlichtweg an die Situation angepasst.
Versuchst du, die Einstellungen einfach blind zu übernehmen, ohne die Lichtbedingungen zu berücksichtigen, landest du schnell bei einem über- oder unterbelichteten Bild. Das Ergebnis passt dann gar nicht zu dem, was du eigentlich wolltest.
Fotografierst du zu jeder Bedingung mit mindestens 1/1000 weil du es bei mir so gesehen hast, kann es sein, dass du eine viel zu hohe ISO einstellst, weil dein Foto ansonsten zu dunkel werden würde.
Auch die Art der Kamera und des Objektivs macht einen Unterschied. Ich arbeite beispielsweise gelegentlich mit einer Fuji, die schon in der Kamera eine schöne Film-Simulation liefert.
Da stelle ich meist auf leicht überbelichtete Einstellungen, um einen bestimmten Look zu erzielen. Denn am Ende will ich dieses Foto minimal bis gar nicht bearbeiten.
Wenn ich dagegen mit meiner Sony arbeite, belichte ich etwas dunkler, eben genau, weil ich das Bild später stärker bearbeiten will.
Das sind Entscheidungen, die ich treffe, um mein Endergebnis zu beeinflussen – aber das heißt nicht, dass diese Einstellungen für dich genauso funktionieren.
Und wenn ich das nicht zu jedem Foto dazu sage, dann führen dich meine Einstellungen mehr in die Irre, als das es dir irgendein sinnvolles Lernergebnis liefert.
Deine Kamera, dein Sensor und dein Bearbeitungsstil verlangen vielleicht nach anderen Werten.
Manchmal liegt die Verwirrung auch darin, dass bestimmte Techniken nach festen Werten aussehen.
Nehmen wir Langzeitbelichtung: Für einen schönen Mitzieher mit Bewegungsunschärfe-Effekt von fahrenden Autos brauche ich eine lange Belichtungszeit. Aber ob es nun exakt 1/10, 1/15 oder 0,5 Sekunden sind, ist nicht entscheidend – es geht um den Effekt, den ich erreichen will.
Diese kleinen Unterschiede in den Einstellungen, wie ISO 100 statt 125 oder 1/500 statt 1/640 Sekunde, sind so marginal, dass sie das Bild kaum beeinflussen. Das Wichtige ist das Grundkonzept, wie Licht, Bewegung und Schärfe zusammenarbeiten sollen.
Wenn du also merkst, dass du ständig auf die Kameraeinstellungen anderer Fotografen schaust, dann fehlt dir vielleicht noch das Verständnis, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden.
Gerade am Anfang ist das völlig normal – man sucht nach Wegen, sich zu verbessern, und Einstellungen erscheinen als schneller Trick.
Doch das Geheimnis liegt eher darin, das „Warum“ zu verstehen. Warum wähle ich diese Verschlusszeit, warum diese Blende? Je tiefer dein Verständnis zu verschiedenen Techniken und dem Belichtungsdreieck werden, desto weniger brauchst du die genauen Foto-Einstellungen.
Mit der Zeit entwickelst du deinen eigenen Blick und findest deine eigenen Werte, die wirklich zu deinem Bild passen.
Wenn ich inzwischen einen Mitzieher sehe, dann habe ich eine grobe Vorstellung, mit welcher Verschlusszeit der Fotograf gearbeitet hat. Das Wissen um die genauen Einstellungen ist mir an dieser Stelle dann aber auch gar nicht mehr wichtig.
Denn zum einen weiß ich, dass ich die genauen Einstellungen & Bedingungen sowieso nicht wirklich replizieren kann, aber zum anderen ist es viel relevanter das Foto an sich und die kreative Idee im Kopf zu speichern.
Denn das sorgt für Inspiration. Und Inspiration bringt mir auf meinem nächsten Fotowalk viel mehr, als die reine willkürliche Kopie von Kameraeinstellungen eines anderen Fotografen.