5 nervige Aussagen von Fotografen an die du nicht glauben solltest

 

Da ich einen Youtube Kanal habe bekomme ich ja auch regelmäßig Kommentare und Meinungen der verschiedensten Fotografen präsentiert.

Dabei stechen 5 Aussagen heraus, die völlig sinnfrei, nervig oder sogar falsch sind. Wir schauen uns heute an, welche das sind und ob das nicht besser geht.

 

Die Top 5 nervigsten Fotografie-Aussagen

1. Immer über den Sucher fotografieren

Viele denken, man müsse immer über den Sucher fotografieren, aber das ist einfach nicht so. Ich finde es absurd, sich an einer Regel festzuhalten, die besagt, man darf nur über den Sucher fotografieren und nicht über das Display.

Es gibt keinen Grund, diese Technik als „die einzig wahre“ Methode zu betrachten. Fotografieren soll schließlich flexibel sein und jeder sollte seine Kamera so nutzen, wie es für ihn am besten funktioniert.

Ich habe mich daran gewöhnt, über das Display zu fotografieren. Das hat praktische Gründe:

Für meinen Youtube Kanal nehme ich regelmäßig Fotorunden auf, die ich durch die Straßen drehe. Und dabei ist es für dich als Zuschauer wahrscheinlich einfach spannender, zumindestens zu Teilen die Kamera zu sehen und zu verstehen, was passiert. Halte ich mir die Kamera ans Auge, dann ist das für dich als Zuschauer nicht ganz so spannend.

Aber es gibt auch noch andere Gründe, die für viel mehr Fotografen zutreffen können:

Wenn ich die Kamera etwas tiefer halte und über das Display schaue, falle ich weniger auf und wirke nicht so „professionell“ oder „offiziell“.

Manchmal hilft das auch, Menschen in natürlichen Momenten zu fotografieren, ohne dass sie sich beobachtet fühlen. Etwas, das in der Streetfotografie recht wichtig ist.

Es sieht eben eher so aus, als würde ich ganz einfach mit dem Handy fotografieren, und da die meisten Menschen mittlerweile völlig gewohnt sind das mit dem Handy Fotos gemacht werden, sticht man viel weniger aus der Masse heraus. Und das macht die Sache auch deutlich unauffälliger.

Ein weiterer Grund ist, dass meine Kamera einen elektronischen Sucher hat. Ich finde das Bild über das Display genauso gut wie das Bild im Sucher. Ich verpasse also nichts, wenn ich über das Display fotografiere.

Ich verstehe nicht, warum es manchen Leuten so wichtig ist, ob ich den Sucher benutze oder nicht. Es ist ja nicht so, dass ich anderen vorschreibe, wie sie fotografieren sollen.

Jeder kann seinen eigenen Stil finden und die Technik nutzen, die ihm am besten liegt. Warum sollten wir anderen vorschreiben, wie sie ihre Kamera zu halten haben? Es gibt keinen „richtigen“ oder „falschen“ Weg.

Fotografieren ist kreativ, und Kreativität braucht Freiraum. Wenn das Fotografieren über das Display für jemanden gut funktioniert, sollte er oder sie genau das tun.

Also, lass dich nicht von anderen verunsichern. Nutze deine Kamera so, wie es dir am besten passt, und vergiss solche Regeln, die dir jemand aufdrücken möchte.

 

2. Serienbildaufnahmen sind nur “Spray & Pray”

"Serienbildaufnahmen sind nur Spray & Pray" – das höre ich immer wieder und, ehrlich gesagt, das regt mich jedes Mal auf. Die Aussage, dass Serienbilder angeblich schlechtere Fotografen machen, geht an der Realität total vorbei.

Es klingt, als wäre jeder, der ein Serienbild macht, ein fauler Amateur, der einfach draufhält und hofft, dass zufällig ein gutes Bild dabei ist.

Aber wer sowas sagt, hat einfach nicht kapiert, wie Fotografie wirklich funktioniert – und vor allem nicht, wie unterschiedlich die Anforderungen in den einzelnen Bereichen sind.

Denk mal an Sport- oder Hochzeitsfotografie. Da muss alles sitzen. Genau der Moment, in dem der Spieler den Ball trifft oder das Brautpaar sich ansieht – das kriegst du nur in einem Bruchteil der Sekunde.

Ein einziges Bild davon machen? Ganz ehrlich, das ist dann schon etwas vom Glück abhängig, ob das Foto wirklich passt.

Profis, die damit ihr Geld verdienen, arbeiten fast immer mit Serienbildern, um genau den richtigen Moment zu treffen. Und sind sie deswegen schlechtere Fotografen? Ganz sicher nicht. Sie wissen einfach, dass die Technik ihnen hilft, zuverlässigere Ergebnisse zu erzielen.

Und was ist das Wichtigste am Ende? Es zählt, ob du die Aufnahme bekommst, die du wolltest. Nicht, wie du da hinkommst.

Wenn du das perfekte Bild hast, fragt niemand mehr, ob es von einem Einzel- oder Serienbild stammt. Entscheidend ist, dass das Bild die Stimmung und die Geschichte transportiert, die du einfangen wolltest.

Dieses ewige Gerede, dass Serienbilder unprofessionell seien, ist nur überflüssiger Druck, den sich keiner machen muss.

Mal ehrlich, Speicherplatz ist heute auch kein Problem mehr. Früher, als Filme teuer und begrenzt waren, da war das anders. Aber jetzt? Ob du ein oder zehn Bilder von einer Szene machst, ist egal.

Im digitalen Zeitalter ist diese „Spray & Pray“-Kritik einfach nicht mehr zeitgemäß. Du erhöhst mit Serienbildern die Chance, genau den perfekten Moment einzufangen – und genau darum geht’s doch.

Mach also das, was funktioniert, und lass dir nicht einreden, dass Serienbilder weniger wert sind. Das perfekte Bild ist das Ziel, und wie du es bekommst, bleibt ganz allein dir überlassen.

 

3. Nur im manuellen Modus fotografieren

"Nur im manuellen Modus fotografieren" – das ist so ein Ratschlag, den ich vor allem als Anfänger extrem häufig gehört habe.

Angeblich soll man so die "volle Kontrolle" über die Kamera haben und dadurch automatisch bessere Fotos machen. Klingt irgendwie logisch, oder?

Aber ich sag dir, dieser Gedanke führt eher zu Frust und verpassten Momenten, vor allem wenn du noch am Anfang stehst oder in Situationen fotografierst, in denen es schnell gehen muss.

Klar, wenn du dir ewig Zeit nehmen kannst – vielleicht bei einer Landschaftsaufnahme am Abend, wo du ganz in Ruhe die Belichtung und die Blende einstellen kannst – dann ist der manuelle Modus perfekt.

Du kannst da wirklich jedes Detail optimieren und die Kamera voll und ganz nach deinen Vorstellungen anpassen.

Außerdem lernst du so, wie das Belichtungsdreieck funktioniert und wie sich Blende, Verschlusszeit und ISO gegenseitig beeinflussen. Es gibt also durchaus eine sinnvolle Begründung für diesen Ratschlag.

Aber wie oft hast du denn solche Momente? Gerade in der Street-, Sport- oder Hochzeitsfotografie geht’s nicht um langes Basteln an der Technik. Da zählt die Geschwindigkeit.

Ein guter Moment ist nur eine Sekunde lang, und den willst du nicht verpassen, nur weil du noch an der ISO oder Verschlusszeit rumspielst.

Viele Profis, die ich kenne, verlassen sich deshalb hauptsächlich auf Halbautomatiken wie die Zeit- oder Blendenautomatik.

Die Kamera übernimmt dabei bestimmte Einstellungen – zum Beispiel die Verschlusszeit – während du die Blende festlegst und dich so mehr aufs Wesentliche konzentrieren kannst.

Deine Kamera hat genug smarte Funktionen, die du genau dafür nutzen kannst: Du gibst ihr einen Spielraum, in dem sie sich bewegen darf, und sie bleibt dann in einem Bereich, der dir genug Schärfe und möglichst wenig Rauschen liefert.

Ob die Kamera jetzt eine 1/500 Sekunde oder eine 1/1000 Sekunde wählt, ist dann nicht mehr so entscheidend, solange sie innerhalb der von dir definierten Grenzen bleibt.

So behältst du den Großteil der kreativen Kontrolle, kannst aber blitzschnell reagieren und verpasst keinen entscheidenden Moment.

Glaub mir, das macht einen riesigen Unterschied! Statt dich an der Technik festzuhalten, kannst du dich voll auf das Motiv konzentrieren – und genau darum geht es doch.

Die Halbautomatiken der Kamera geben dir die Freiheit, deine Umgebung und den richtigen Moment zu sehen, ohne dass du ständig an Knöpfen und Rädern drehen musst.

Der manuelle Modus hat daher durchaus seine Berechtigung, aber du solltest ihn nicht als das einzige „richtige“ Werkzeug sehen.

Wenn du in der Praxis mehr Flexibilität und bessere Ergebnisse willst, nutze die Optionen, die dir die Kamera bietet.

Profis machen es nicht anders und wissen, dass es am Ende nicht darauf ankommt, ob das Bild manuell oder halbautomatisch entstand – sondern dass es die gewünschte Wirkung erzielt.

 

4. Es gibt selten eine “einzige Wahrheit”

In der Fotografie gibt es nicht die eine einzige Wahrheit. Das klingt erstmal ziemlich offensichtlich, aber trotzdem hört man oft Ratschläge, die so tun, als gäbe es den einen „richtigen“ Weg.

Dabei zeigt jedes Beispiel das wir bislang hatten, dass es auf die Situation ankommt und darauf, was du als Fotograf erreichen willst.

Nimm allein die Frage der Perspektive: Es gibt Leute, die sagen, die beste Perspektive ist auf Augenhöhe. Das wirkt natürlich, denn wir sehen die Welt ja genau so. Augenhöhe lässt sich leicht nachvollziehen und bietet eine klare, direkte Sicht.

Doch genauso könntest du auch sagen, dass eine Aufnahme vom Boden oder aus einer erhöhten Perspektive viel spannender ist, weil das eine ungewöhnliche Sichtweise zeigt. Aus der Masse hervorzustechen und den Betrachter zu überraschen – das kann genau der Effekt sein, den du erzielen willst.

Also, wer hat jetzt recht? Die Antwort ist einfach: beide. Es gibt keine feste Regel, welche Perspektive „die beste“ ist. Es kommt immer darauf an, was du mit deinem Bild ausdrücken willst.

Natürlichkeit und Nähe? Dann kann Augenhöhe passen. Etwas Ungewohntes und Frisches? Vielleicht ist eine extreme Perspektive besser. Genau diese Freiheit macht Fotografie so spannend.

Deshalb sollte man immer skeptisch sein, wenn jemand behauptet, nur eine bestimmte Methode sei „die einzig richtige“.

Es gibt so viele Genres, Situationen und Ziele in der Fotografie, dass fast jede Technik, jeder Stil in bestimmten Fällen Sinn macht.

Flexibilität und Kreativität sind das Herzstück der Fotografie. Probieren und herausfinden, was zu dir passt und was deine Geschichte am besten erzählt – darum geht es.

In der Praxis ist es auch ziemlich schwer, universelle Tipps zu geben. Zu oft hängt eine Entscheidung von den Umständen ab.

Wenn du also jemanden hörst, der dir sagt, dass du eine Sache „immer so“ oder „nie so“ machen sollst, sei vorsichtig. Fotografie ist kein „alles oder nichts“, und meist führen viele Wege zum Ziel.

 

5. “Meine Kameramarke ist die Beste”

In der Fotografie gibt es ein Thema, das besonders hitzige Diskussionen auslösen kann: Die Kameramarke.

Jeder hat da seinen Liebling, und viele sind der festen Überzeugung, dass ihre Marke die beste ist.

Vor allem bei Marken wie Leica oder Fuji merkt man, dass einige Fans regelrecht Sekten bilden und so an ihrer Kamera hängen das sie nichts Schlechtes darüber hören wollen.

Kritik wird dann meistens persönlich genommen, als wäre es ein Angriff auf die eigene Entscheidung, vielleicht sogar auf die eigene Identität.

Da hat man schnell das Gefühl, es sei fast wie ein Stammeskrieg – Sony-User gegen Canon-Fans, Fuji-Fans gegen Nikon-Anhänger. Ein kleiner Kommentar über eine Schwäche einer Kamera kann schon ausreichen, um hitzige Diskussionen auszulösen.

Die Wahrheit ist aber: Heutzutage sind fast alle Kameras auf einem unglaublich hohen Niveau. Keine Kamera auf dem Markt ist wirklich schlecht.

Jede Marke legt einfach andere Schwerpunkte. Fuji zum Beispiel bietet eine wunderbare Film-Simulation, die Fans lieben, aber nicht den verlässlichsten Autofokus. Sony hingegen punktet genau damit – Autofokus und Geschwindigkeit. Dafür gibt es hier schlichtweg keine Film-Simulationen, weil das etwas ist, das dir nur Fuji Kameras bieten.

Doch bedeutet das, dass eine Marke "besser" ist als die andere? Nicht wirklich. Jede Marke hat ihre Vor- und Nachteile, und die Kamera, die am besten passt, hängt davon ab, was du brauchst und was dir wichtig ist.

Das Problem entsteht, wenn man so an seiner Marke hängt, dass man blind für die Stärken der anderen Hersteller wird oder die Schwächen der eigenen Marke nicht sehen will. Das bringt niemandem etwas.

Es ist eine enge Sichtweise, die dich letztlich in deiner Entwicklung als Fotograf behindert. Denn Fotografie lebt nicht von Marken oder Geräten, sondern von Kreativität und Können.

Wer offen für neue Ideen ist, wird oft überrascht, was auch andere Systeme oder Kameras bieten können.

Es geht darum, das Beste aus der Ausrüstung zu holen, die für dich funktioniert – und nicht darum, ein Produkt in den Himmel zu loben oder alles andere schlechtzureden.

Am Ende zählt das Bild, das du machst, und nicht das Logo auf deiner Kamera.

 

 
Timo Nausch