Fotograf erklärt: Warum an Adobes Lightroom kein Weg vorbei führt

 

Ein extrem beliebtes Thema bei Fotografen ist, auf Adobe zu schimpfen. Gefühlt jeder Fotograf wünscht sich eine Alternative zu Lightroom und Photoshop.

Doch was sind überhaupt die Probleme die Adobes Software hat? Und warum führt aus meiner Sicht trotzdem kein Weg an den Produkten vorbei? Das versuche ich dir mit jahrelanger Erfahrung als Streetfotograf hier zu erklären.

 

Welche Probleme haben Fotografen mit Lightroom und Photoshop?

Als Fotograf stehst du sicherlich irgendwann vor der Entscheidung, welche Software du für die Bearbeitung deiner Bilder nutzen willst. Adobe Lightroom und Photoshop sind dabei fast schon der Standard, denn Adobe hat einen riesigen Marktanteil und ist bei vielen die erste Wahl.

Mehr als die Hälfte aller Fotografen, genauer gesagt 58%, nutzt laut Umfragen Lightroom zur Bearbeitung ihrer Bilder. Trotzdem gibt es viele, die nach Alternativen suchen.

Aber warum? Welche Probleme haben Fotografen eigentlich mit Adobe?

Das Hauptproblem, dass über 56% der Befragten sehen, ist das Abonnement-Modell. Früher konnte man Software einmal kaufen und sie dann dauerhaft nutzen. Bei Adobe ist das heute anders.

Du bist gezwungen, ein monatliches Abo abzuschließen, wenn du Lightroom oder Photoshop nutzen möchtest.

Für einige Profis, die diese Programme täglich nutzen, mag das in Ordnung sein, aber gerade Hobbyfotografen oder solche, die nur gelegentlich bearbeiten, fühlen sich durch die ständigen Kosten belastet.

Es ist einfach frustrierend, wenn man für eine Software jeden Monat zahlen muss, obwohl man sie vielleicht nur einmal nach dem Urlaub für die Urlaubsfotos benötigt.

Als Street-Fotograf, der Lightroom und Photoshop wöchentlich nutzt, verstehe ich diesen Frust gut. Ich bearbeite meine Bilder und Thumbnails für meinen YouTube-Kanal damit.

Trotzdem frage auch ich mich manchmal, ob es nicht besser wäre, eine Software zu haben, für die ich nur einmal zahlen müsste.

Diese monatliche Belastung wird mit der Zeit einfach anstrengend, vor allem, wenn man nicht ständig neue Features braucht, die durch regelmäßige Updates hinzugefügt werden.

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum einige Fotografen Adobe den Rücken kehren möchten. Manche finden die Software zu kompliziert oder vermissen bestimmte Funktionen, die sie woanders gesehen haben.

Dazu kommt, dass Adobe als Unternehmen selbst immer wieder in der Kritik steht. Es gibt viele Kontroversen rund um den Datenschutz und die Nutzung von persönlichen Daten.

Adobe hat beispielsweise im Jahr 2024 seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen angepasst, was bei vielen Nutzern für Unsicherheit gesorgt hat.

Einige befürchteten, dass Adobe durch diese Änderungen Zugriff auf die Bilder in den Bearbeitungsbibliotheken hätte und sie für eigene Zwecke nutzen könnte. Auch wenn sich das Missverständnis später aufklärte, hinterließ es bei vielen Fotografen ein schlechtes Gefühl.

Das Zusammenspiel aus hohen monatlichen Kosten, der von Kontroversen gespickten Historie und dem starken Fokus auf die KI-Entwicklung sorgt dafür, dass viele Fotografen nach Alternativen suchen.

 

Warum glaube ich nicht, dass es große Alternativen gibt?

Ich glaube fest daran, dass es keinen echten Weg gibt, an Adobes Lightroom und Photoshop vorbei zu kommen, auch wenn immer wieder Alternativen diskutiert werden.

Adobe hat über die Jahre hinweg ein System geschaffen, das so stark vernetzt und optimiert ist, dass es schwerfällt, eine echte Konkurrenz zu finden.

Es ist wie beim Apple-Ökosystem: Wenn du ein iPhone hast, funktioniert es am besten mit einem MacBook oder den AirPods, weil alles perfekt aufeinander abgestimmt ist.

Ähnlich verhält es sich mit Adobe. Lightroom und Photoshop arbeiten nahtlos zusammen, was den Workflow unglaublich einfach und effizient macht.

Ein Beispiel: Ich bearbeite die Thumbnails für meinen Youtube Kanal immer in Lightroom + Photoshop. Du bearbeitest ein Bild in Lightroom, und mit nur einem Klick kannst du es in Photoshop öffnen, um noch komplexere Anpassungen vorzunehmen.

Sobald du in Photoshop fertig bist, speicherst du das Bild, und es taucht sofort wieder in Lightroom auf, ohne dass du irgendwas umständlich exportieren oder importieren musst.

Dieser Prozess spart nicht nur Zeit, sondern sorgt auch dafür, dass du die beste Bildqualität behältst, da du weiterhin mit dem RAW-Format arbeiten kannst.

Wenn du diesen Workflow auf andere Programme umstellst, müsstest du ständig zwischen verschiedenen Tools hin- und herwechseln, Dateien exportieren und neu importieren. Das mag jetzt nicht nach einem riesigen Aufwand klingen, aber es ist definitiv nervig und frisst Zeit.

Natürlich gibt es Alternativen wie Luminar* oder Affinity Photo, die ebenfalls gute Bildbearbeitungsprogramme sind. Ich nutze Luminar selbst ab und zu für bestimmte Projekte.

Doch selbst wenn Luminar solide Funktionen bietet, ist es einfach nicht so schnell und effizient wie Lightroom. Wenn ich in Luminar eine Änderung vornehme, dauert es oft einen Moment, bis das Bild aktualisiert wird. Manchmal wird das Bild sogar unscharf, bevor die neue Vorschau erscheint.

Dieser kleine Moment der Verzögerung mag nicht wirklich wichtig wirken, aber wenn du viele Bilder bearbeitest, summiert sich das.

Dazu kommt, dass die Maskenfunktion in Luminar viel eingeschränkter ist. In Lightroom kannst du unglaublich präzise und fortgeschrittene Masken erstellen, was die Bearbeitung extrem erleichtert und dir eine Menge kreativer Möglichkeiten eröffnet.

Ein weiteres Beispiel ist Affinity Photo, das meine Freundin gerne nutzt. Affinity bietet viele Funktionen, die an Photoshop erinnern, und man kann sicherlich tolle Ergebnisse erzielen.

Aber sobald ich sehe, wie lange die Bearbeitung dort dauert, bin ich froh, dass ich Lightroom und Photoshop benutze. Es ist einfach schneller und intuitiver.

Ein paar Regler in Lightroom verschieben, eine Maske drüberlegen, und schon hast du dein Bild so, wie du es möchtest.

Letztendlich ist es nicht nur die Bequemlichkeit, die mich bei Adobe hält, sondern auch die unglaubliche Funktionalität.

Lightroom entwickelt sich ständig weiter und bietet regelmäßig Updates, die es noch effizienter machen.

Warum also umsteigen, wenn ich schon ein System habe, das perfekt funktioniert? Klar, andere Programme haben ihre Stärken, aber keiner kommt wirklich an das Gesamtpaket von Adobe heran.

 

Hype und Realität unterscheiden sich

Auf Social Media ist es aktuell extrem populär, dass sich Fotografen gegen Adobe positionieren und das Gefühl vermitteln, es müsse doch bessere und günstigere Alternativen geben.

Aber die Realität sieht aus meiner Perspektive anders aus.

Viele reden von sogenannten „Lightroom-Killern“ oder „Photoshop-Killern“. Das klingt auf den ersten Blick vielversprechend.

Doch sobald man die Alternativen selbst ausprobiert, stellt man fest, dass sie nicht mithalten können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meisten dieser Alternativen in der Praxis einfach nicht das bieten, was Adobe-Programme können.

Ich nutze zum Beispiel Luminar Neo ab und zu, vor allem für spezielle Aufgaben, wie die Portrait-Bearbeitung. Luminar hat da tolle Features, die in bestimmten Fällen wirklich hilfreich sind.

Aber wenn ich ehrlich bin, deckt Luminar nur einen winzigen Teil meiner Bedürfnisse ab. Vielleicht 2 % meiner Bearbeitungen mache ich damit, während 95 % immer noch in Lightroom laufen und die restlichen 3 % in Photoshop.

Die Hürde, komplett auf eine neue Software umzusteigen, ist einfach zu hoch.

Stell dir vor, du müsstest deinen gesamten Lightroom-Katalog in eine andere Software übertragen. Allein das Einrichten eines neuen Systems kostet unglaublich viel Zeit.

Du müsstest lernen, wo welche Funktionen sind, und am Ende stellst du fest, dass wichtige Features fehlen oder nicht so gut funktionieren wie bei Adobe.

Das mag in den ersten Wochen noch ok sein, aber nach einer Weile fängt es an zu nerven. Die Bequemlichkeit, die dir Adobe bietet, ist einfach schwer zu überbieten.

Ich verstehe den Wunsch, weniger Geld für Bildbearbeitung auszugeben, und auch ich denke manchmal darüber nach.

Aber dann schaue ich mir an, was Adobe mir bietet: Geschwindigkeit, Effizienz, ständige Updates und ein nahtloser Workflow zwischen Lightroom und Photoshop.

Die Konkurrenz bietet entweder nicht den gleichen Funktionsumfang oder arbeitet nicht so flüssig und schnell.

Die Realität ist, dass es momentan keine echte Alternative gibt, die dieselbe Bequemlichkeit und Funktionalität in einem Paket bietet wie Adobe.

Selbst wenn man verschiedene Programme kombiniert, erreicht man nicht das gleiche Ergebnis.

Aus diesem Grund bleibe ich bei Adobe, obwohl ich mir manchmal wünsche, weniger dafür zu zahlen. Der Markt ist einfach noch nicht so weit, dass eine Konkurrenz wirklich mithalten kann.

Auch wenn es verlockend ist, auf den Hype der „Lightroom-Killer“ zu springen, unterm Strich sehe ich momentan keine großen Verschiebungen von Adobes Marktanteilen.

Ich denke, solange Fotografen nicht in großer Masse zu anderen Anbietern wechseln und weiterhin ihre monatlichen Beiträge zahlen, wird sich auch nichts an Adobes Marktstellung ändern.

Denn nur, wenn es sich am tatsächlichen Umsatz auswirkt, sind Firmen in der Regel bereit, etwas an ihrer Einstellung zu ändern.

Und so unschön wie es ist, für Adobe ist es extrem profitabel, ausschließlich ein Abo Modell anhzubieten.

Und am Ende kann ich mich noch nicht mal wirklich beschweren, weil das Produkte dass ich am Ende bekomme ja tatsächlich extrem gut ist. Aus meiner Sicht das beste auf dem Markt.

Und deshalb denke ich, wird auch in Zukunft kein Weg an Adobes Lightroom und Photoshop vorbei führen.

 

 
Timo Nausch